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Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

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Union der Sozialistischen SowjetrepublikenUnion der Sozialistischen Sowjetrepubliken
Artikelgliederung
1

Einleitung

Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR; russisch Sojus Sowjetskich Sozialistischeskich Respublik, SSSR), ehemaliger Bundesstaat in Osteuropa und Nordasien. Die UdSSR oder Sowjetunion bestand aus 15 Unionsrepubliken. Ihrer Fläche nach war sie mit 22,4 Millionen Quadratkilometern der größte Staat der Erde. Die UdSSR ging nach der Oktoberrevolution von 1917 aus dem russischen Zarenreich hervor. Siehe auch Russland: Geschichte

2

Revolution

Die Geschichte der Sowjetunion begann mit dem 7. November 1917 (dem 25. Oktober nach dem damals in Russland gebräuchlichen Julianischen Kalender), als die Bolschewiki unter Führung Wladimir I. Lenins im Zuge der Oktoberrevolution in Russland die Macht übernahmen. Vorausgegangen war die Februarrevolution, während der Zar Nikolaus II. abdanken musste. Nach der Februarrevolution entwickelte sich eine Doppelherrschaft der bürgerlichen Provisorischen Regierung unter Georgij J. Lwow und später Aleksandr F. Kerenskij auf der einen, Arbeiter- und Soldatenräten (Sowjets) in verschiedenen Städten auf der anderen Seite; schärfster Konkurrent der bürgerlichen Regierung war dabei der Petrograder (Sankt Petersburger) Sowjet. Im September/Oktober errangen die Bolschewiki, die aufgrund der Aprilthesen Lenins – „Frieden um jeden Preis”, „Alle Macht den Sowjets” – großen Zuspruch bei der Bevölkerung gefunden hatten, die Führung im Petrograder und im Moskauer Sowjet und hielten nun den richtigen Zeitpunkt für gekommen, die Provisorische Regierung zu stürzen und selbst die Macht zu übernehmen. Das „Militärrevolutionäre Komitee zur Abwehr konterrevolutionärer Gefahren” unter Lew D. Trotzkij traf die Vorbereitungen für einen bewaffneten Aufstand gegen die Regierung; Lenin bestimmte den 7. November zum Beginn des Aufstandes.

Am 7. November besetzten die Bolschewiki zentrale Punkte in Petrograd und verhafteten in der folgenden Nacht die Regierung Kerenskij. Am 8. November übernahmen die Bolschewiki die Staatsgewalt und verabschiedeten auf dem 2. Allrussischen Sowjetkongress, den sie nach dem Ausscheiden der Menschewiki und der rechten Sozialrevolutionäre praktisch alleine bestritten, drei richtungweisende Dekrete: Das Dekret über einen „sofortigen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen”, das Dekret über die „entschädigungslose Enteignung allen Landbesitzes in privater Hand”; das dritte Dekret setzte den Rat der Volkskommissare unter Lenin, dem u. a. Trotzkij für die Außenbeziehungen und Jossif W. Stalin für Nationaltiätenfragen angehörten, als vorläufige Regierung ein.

Am 15. November 1917 gestand Lenin in der „Deklaration der Rechte der Völker Russlands” allen Nationen im ehemaligen Zarenreich das volle Selbstbestimmungsrecht zu, woraufhin zunächst die Finnen, gefolgt von den Ukrainern, den baltischen Ländern, den Georgiern, Armeniern und den Aserbaidschanern, ihre Unabhängigkeit erklärten. Weitere Dekrete verfügten die Trennung von Kirche und Staat, die Aufhebung der Pressefreiheit sowie die Verstaatlichung von Banken und Industrie.

Am 8. Dezember 1917 wurde die verfassunggebende Versammlung gewählt; die Bolschewiki hatten lediglich ein Viertel der Stimmen erhalten und lösten daher die Versammlung bei ihrem Zusammentreten im Januar 1918 gewaltsam auf. Zur Absicherung und Festigung ihrer Macht hatten die Bolschewiki bereits im Dezember 1917 die Geheimpolizei Tscheka unter der Leitung von Feliks E. Dserschinskij gegründet, und ab Januar 1918 wurden alle nichtbolschewistischen Kräfte systematisch durch den „Roten Terror”, wie Lenin selbst diese Aktionen bezeichnete, ausgeschaltet. Bürgerliche Parteien wurden verboten, Menschewiki und rechte Sozialrevolutionäre aus allen Sowjets verdrängt und linke Sozialrevolutionäre, die zunächst an der Macht beteiligt waren, vom politischen Leben ausgeschlossen. Allein dominierende politische Kraft wurde sukzessive die „Kommunistische Partei Russlands (Bolschewiki)”, KPR(B), wie sich die Bolschewiki seit Anfang 1918 bezeichneten.

Im März 1918 übersiedelte die Regierung in den Moskauer Kreml, und am 10. Juli 1918 verabschiedete der 3. Allrussische Sowjetkongress die Verfassung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR). Damit war im Inneren die erste Phase der Revolution abgeschlossen.

2.1

Friedensvertrag

Entsprechend dem Dekret vom 8. November 1917 über einen sofortigen Frieden schloss die bolschewistische Regierung noch im Dezember 1917 einen Waffenstillstand mit den Mittelmächten, in erster Linie mit Deutschland und Österreich-Ungarn, die immer tiefer in russisches Gebiet eindrangen. Die folgenden Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk brach der russische Verhandlungsführer Trotzkij im Februar 1918 ab, hauptsächlich weil ihm die deutschen Bedingungen für einen Friedensschluss inakzeptabel schienen.

Angesichts einer neue Offensive der Deutschen setzte sich jedoch Lenin mit seiner Forderung nach einem raschen Friedensschluss gegen Trotzkij, der daraufhin als Außenkommissar zurücktrat, durch, und am 3. März 1918 wurde der Frieden von Brest-Litowsk zwischen den Mittelmächten und Sowjetrussland unterzeichnet. Sowjetrussland musste die Unabhängigkeit der Ukraine, Polens der baltischen Staaten, Finnlands, Georgiens und Armeniens anerkennen und hohe Reparationszahlungen an Deutschland leisten.

Lenin hatte auf die Annahme des Friedensvertrags gedrängt, um Handlungsspielraum für die Festigung der bolschewistischen Macht im Inneren zu gewinnen; zudem war er der Überzeugung, dass auch in anderen europäischen Ländern eine Revolution des Proletariats unmittelbar bevorstand. Tatsächlich gab es in mehreren Ländern revolutionäre Ansätze, besonders in Deutschland und Ungarn, die jedoch alle nach kurzer Zeit im Keim erstickt waren, so dass Sowjetrussland weiterhin der einzige revolutionäre Staat in Europa blieb.

2.2

Bürgerkrieg

Die gewaltigen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Umwälzungen in Russland im Anschluss an die Oktoberrevolution führten zum Bürgerkrieg der „Weißen” (Menschewiki, Sozialrevolutionäre, Bürgerliche, konservative Monarchisten) gegen die „Roten” (Bolschewiki), in dem auch das Nationalitätenproblem wieder virulent wurde und in den schließlich aus politischen und wirtschaftlichen Gründen die ehemaligen Verbündeten Russlands, die Entente-Mächte, eingriffen.

In Russland hatten sich mehrere antibolschewistische Zentren herausgebildet: In Sibirien hatte sich Admiral Aleksandr W. Koltschak festgesetzt und eine diktatorische Herrschaft errichtet, im Ostseeraum übernahm General Judenitsch die Führung der Weißen und in Südrussland General Anton Denikin; im Uralgebiet konstituierte sich im Sommer 1918 vor allem aus Sozialrevolutionären eine antibolschewistische Regierung. Unterstützt wurden die Weißen von der Entente.

Im Februar 1918 begann Trotzkij, ab März 1918 Kriegskommissar, mit dem Aufbau der „Roten Arbeiter- und Bauernarmee”, die sich innerhalb kurzer Zeit zu einer äußerst schlagkräftigen Truppe entwickelte. Im Lauf des Jahres konnte die Rote Armee den Vormarsch Koltschaks und Denikins abwehren, und im Frühjahr 1919 eroberte sie die Ukraine, nachdem die Deutschen entsprechend dem Waffenstillstand von Compiègne (11. November 1918) ihre Truppen aus Russland hatten abziehen müssen. Die Ukraine wurde in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik umgewandelt. Im Herbst 1919 schlug die Rote Armee einen erneuten Vorstoß der Weißen unter Koltschak und Denikin zurück. Der Polnisch-Sowjetische Krieg (1920/21) um die Grenze zwischen Polen und Sowjetrussland verlief nach einigen Rückschlägen vor allem dank der mangelnden Koordination zwischen den polnischen Truppen und den ukrainischen unter Peter N. Wrangel für die Rote Armee zunächst erfolgreich; am Ende aber musste sich die Rote Armee wieder aus Polen zurückziehen. Im Frieden von Riga (18.  März 1921) trat Sowjetrussland den Westen Weißrusslands und der Ukraine an Polen ab.

Im Laufe des Jahres 1920 schloss Sowjetrussland mit Estland, Lettland und Finnland Frieden; 1921 eroberte es Georgien und bildete die Transkaukasische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik, und bis Ende 1922 war auch der Ferne Osten Russlands unter sowjetische Herrschaft gebracht. Die Roten hatten den Bürgerkrieg vor allem dank ihrer straffen Organisation und ihrer starken Führung gewonnen; zugutekamen ihnen außerdem Spannungen, Konflikte und fehlende Koordination in den politisch inhomogenen Reihen der Weißen. Zudem waren die intervenierenden Entente-Mächte kriegsmüde geworden.

Infolge der Politik des so genannten Kriegskommunismus – Verstaatlichung und Zentralisierung beinahe der gesamten Produktion und Verteilung, Abgabezwang für Lebensmittel, Verbot des privaten Handels etc. – war es zu einem gravierend Rückgang in der Produktion und zu drastischen Versorgungsengpässen bis hin zu einer schweren Hungersnot gekommen. Teile der Bevölkerung und der Armee reagierten darauf mit Streiks und Unruhen (siehe Kronstädter Aufstand). Im März 1921 setzte sich Lenin auf dem X. Parteitag der KPR(B) mit seinem Konzept der Neuen Ökonomischen Politik (NEP), einer vorübergehenden Liberalisierung der Wirtschaft, u. a. gegen Trotzkij durch, der für die Beibehaltung des bisherigen Kurses in der Wirtschaft plädierte. Durch die NEP erreichte die Agrarproduktion bald wieder beinahe den Vorkriegsstand, und auch die Industrieproduktion erfuhr einen entscheidenden Aufschwung. Die Einführung der NEP wurde begleitet von einem Ausbau der Herrschaft der KPR(B) in Richtung Diktatur.

Am 30. Dezember 1922 wurde durch den Zusammenschluss von RSFSR, Transkaukasischer, Ukrainischer und Weißrussischer SSR (Sozialistische Sowjetrepublik) die UdSSR gegründet; am 31. Januar 1924 erhielt sie ihre erst Verfassung.

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